Für die ganz glücklichen unter den Pferden, die ganzjährigen Weidegang genießen, stellt sich die Frage des Anweidens nicht. Sie gewöhnen sich so langsam an das wachsende Nahrungsangebot und den im Frühjahr ansteigenden Eiweißgehalt im Gras, wie das Gras selbst wächst. Doch in vielen Reitställen ist es mangels ausreichender Weideflächen die gängige Praxis die Weiden über die Wintermonate zu sperren, damit sich die Wiesen erholen können.

Warum ist zuviel frisches Gras schädlich und was kann passieren?


Zum einen benötigt das Pferd zum verdauen des frischen Grüns spezielle Darmbakterien - diese sind bei alleiniger Fütterung von Heu, Stroh und Kraftfutter im Winter nur in geringen Maßen vorhanden. Daher sollte die Futterumstellung langsam vor sich gehen, so dass diese Bakterien sich wieder vermehren können. Erfolgt die Futterumstellung zu plötzlich, kommt es oft zu schweren Koliken. Das ist eine Sache. Eine weitere Gefahr besteht in dem sehr hohen Eiweißgehalt, den das Gras besonders im Frühjahr ausweist. So kommt es bei unvorsichtigem Anweiden schnell zu einem Eiweißüberschuss, der den Stoffwechsel des Pferdes, insbesondere die Leber und Nieren, stark belastet. Ein Anzeichen für ein Zuviel an Einweiß können angeschwollene (angelaufene) Beine - bevorzugt an den Hinterbeinen von Huf bis zum Fesselkopf oder höher - sein.  Neben dem hohen Eiweißgehalt, weist das Gras im Frühling und Frühsommer zugleich einen sehr hohen Gehalt an leichtlöslichen Kohlehydraten wie Stärke, Zucker & Fruktane auf.
Bei einer zu plötzlichen Umstellung können die großen Mengen dieser Nährstoffe nicht vollständig im Verdauungstrakt abgebaut werden. Durch die erhöhte Zufuhr von Zucker und Stärke vermehren sich die Laktobazillen im Darm explosionsartig und übersäuern den Darminhalt, was wiederum ein massenhaftes Absterben der nützlichen Darmbakterien zur Folge hat. Die abgetöteten Bakterien setzen dann Giftstoffe, sogenannte Endotoxine frei, die vom Blut aufgenommen werden und winzige Blutgerinnsel bilden. Diese winzigen Blutgerinnsel verstopfen die feinen Kapillargefäße der Huflederhaut, und es kommt zu Huflederhautentzündungen, oder gar zu einem akuten Hufrehe-Schub.